Am vergangenen Mittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Vielleicht verbindest du damit Rituale, die keinen Sinn machen, oder Verzicht, der aufgezwungen ist.
Als Freikirchler betonen wir – zurecht – die Errettung aus Gnade. Verzicht in der Fastenzeit wirkt oft so, als müsste man sich die Gunst Gottes durch Werke oder Leiden erarbeiten. Ein so verstandenes Fasten im Sinne von einer Werkgerechtigkeit ist tatsächlich sinnlos. Wir finden in der Bibel auch keine Anweisung für einen bestimmten Zeitraum im Jahr oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu fasten.
Ein Blick in die Bibel
Was wir schon finden, ist die Aufforderung zu fasten: In der Bergpredigt gibt Jesus eine Anleitung zum Fasten. Er bezieht sich auf das „wie“. Dass gefastet wird, stellt Er nicht in Frage – Matthäus 6,16-18. Er geht davon aus, dass die Jünger fasten werden, wenn Er nicht mehr da ist – Markus 2,20. Fasten scheint auch Praxis der ersten Christen gewesen zu sein. Paulus schreibt im Korintherbrief vom Fasten und Beten – 1. Korinther 7,5. In Apostelgeschichte 13,3 finden wir Fasten und Beten als Vorbereitung zu einer Entscheidung und Entsendung zum Dienst. Ich empfinde diese Tatsache herausfordernd, da ich Fasten nicht als gängige Praxis der Gemeinde erlebe. Vielleicht ist der Beginn der Fastenzeit ein guter Anlass, sich mit der geistlichen Disziplin des Fastens auseinanderzusetzen und einen Versuch zu wagen?
Ein Blick in die Geschichte
Im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) wurde die Fastenzeit wie wir sie heute kennen als 40-tägige Vorbereitung auf Ostern festgelegt. Man kann davon ausgehen, dass es keine Erfindung des Konzils war, sondern eher Praktiken bestätigt wurden, die es schon gab. Auch wenn ich die 1700 Jahre geschichtlich belegte Fastenzeit faszinierend finde, ist das noch kein schlagendes Argument, sich daran zu halten. Besser ist wahrscheinlich zu fragen, was für ein Sinn hinter der Fastenzeit steht.
Die Fastenzeit vor Ostern wird traditionell mit Jesu 40 Tagen in der Wüste in Verbindung gebracht. Er bereitet sich in der Wüste auf Seinen öffentlichen Dienst vor. Teil der Grenzerfahrung in der Wüste ist der Versuchung.
Es macht für mich Sinn als Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung zu fasten. Wenn es vorher karger ist als sonst, kann man die Feiertage umso mehr schätzen. Die Erfahrung des Mangels macht die anschließende Erfahrung des Reichtums eindrücklicher. Das kann man auch übertragen so sehen: wenn uns was fehlt bzw. wenn es unbequem wird, kommen wir wahrscheinlich mit Charakterzügen von uns in Berührung, die wir nicht mögen. Umso mehr kann man dann die Gnade schätzen.
Ab in die Wüste?
Fasten in der Fastenzeit ist also kein Muss. Es kann dir aber helfen, dich auf Ostern vorzubereiten. Wenn du magst, begibt dich – im übertragenden Sinn – freiwillig in die Wüste. Und dann bemerke in der Wüste, was dir fehlt, woran dein Herz zu sehr hängt und wo du angreifbar bist. Nutze die Zeit zur Besinnung, zur Reflektion, zur Umkehr. Vielleicht bemerkst du auch in der Wüste, was dir wirklich wichtig ist, und worauf du nicht verzichten kannst.
Hier ein paar praktische Vorschläge …
Verzichte für einen Tag auf eine oder mehrere Mahlzeiten
Nutze die frei gewordene Zeit zum Gebet und/oder Bibelstudium. Hier ein paar Bibelstellen zur Reflektion:
Neben dem körperlichen Hunger, hast du Hunger nach Gott?
Besonders gut gefällt mir die Idee, Samstag zu fasten und das Fasten am Sonntag mit dem Abendmahl zu beenden. (Bitte nicht 40 Tage hintereinander fasten! Wenn du dich für mehrere Fastentage entscheidest oder gesundheitliche Probleme hast, bitte vorher das OK vom Arzt holen!)
Verzichte auf etwas, wovon du glaubst, dass du es brauchst
Die meisten wissen intuitiv, was das ist. Gängige Beispiele sind: Kaffee, Schokolade, Alkohol, Einkaufen, Serien, Podcasts, dein Handy, etc. Mit dem Verzicht durchbrichst du gewohnte Muster. Wenn du dann merkst, dass dir die Schokolade oder Ähnliches fehlt, kannst du Jesus danken, dass er für dich auf den Himmel verzichtet hat – lies Philipper 2,6-8. Ich lade dich auch ein, darüber nachzudenken, was ein Götze geworden sein könnte.
Versuch ein paar Stunden oder einen Tag zu schweigen
Beobachte wie es dir in der „Kommunikations-Wüste“ geht. Ähnlich wie beim Fasten könntest du das Schweigen mit dem ersten Lobpreis Lied am Sonntag aufheben.
Trau dich in die Wüste! Ich wünsche dir, dass der Mangel der Wüste dir dabei hilft, den Reichtum Gottes zu verstehen.
Cover-Foto von Averie Woodard via Unsplash mit KI bearbeitet
Constanze