Was wir in 1 Woche alles über Live Streaming gelernt haben


Was wir in 1 Woche alles über Live Streaming gelernt haben

Seit knapp zwei Wochen bestimmt der Coronavirus nicht nur die allgemeine Berichterstattung in unseren Medien, sondern ganz konkret auch unser persönliches Leben. Mit dem Erlass unserer Bundesregierung zur Eindämmung des Coronavirus und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen, stehen seit dem 10. März 2020 neben Unternehmen, Institutionen und Vereinen auch Kirchen vor großen Herausforderungen. Wie schafft man es als Kirche Menschen zusammenzubringen, wenn man keinen Raum zur Verfügung stellen kann? Und wie schafft man es als Kirche den Menschen gerade in diesen herausfordernden Zeiten mit dem Wort Gottes, der Bibel, Hoffnung zu geben, wenn man sich nicht gemeinsam zum Gottesdienst treffen kann? Eine Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen, ist Live Streaming! In diesem Blog Post möchte ich zusammenschreiben, was wir in 1 Woche - oder nach 2 Live Streams - als Gemeinde bisher gelernt haben.

Warum überhaupt Live Streaming? Warum nicht einfach ein Video oder ein Audio von der Predigt aufnehmen?

Als Evangeliumsgemeinde stellen wir nach unseren wöchentlichen Gottesdiensten seit etwa 10 Jahren Audioaufnahmen der jeweiligen Predigten auf unserer Website zum Nachhören zur Verfügung. Es wäre natürlich leicht gewesen, dies auch während der Corona-Krise so fortzusetzen. Der Prediger, meistens unser Pastor Ewald Ring, hätte gemütlich von zuhause aus eine Aufnahme gestartet und wir hätten sie im Laufe der Woche auf unserer Website zum Download angeboten. Was ich betonen möchte: Unsere Audio-Predigtbibliothek ist sehr wertvoll, aber ich denke, dass Audioaufnahmen (oder selbst Videos) vom Gottesdienst nicht das richtige Format in Zeiten einer Krise sind. Ein Live Stream ist es schon, denn das größte Argument für Live Streaming steckt im Namen - es passiert LIVE, also "in echt", unmittelbar und direkt. Außerdem ist ein Live Stream eindeutig an eine fixe Zeit gebunden. Während wir nicht wissen, wann und wie die Audioaufnahmen unserer Predigten nachgehört werden, wissen wir sehr wohl, wer beim Live Stream dabei ist ... nämlich "wir als ganze Gemeinde". Wir "treffen" uns - trotz Corona-Krise - weiter wie bisher um 10 Uhr jeden Sonntag in unseren Räumen, in unserem "geistlichem Zuhause". Nur eben anders - und genau davon lebt ein Live Stream. Vom Wissen, dass man nicht alleine ist. Und dieses Wissen schafft über viele Notebooks, PCs und Fernseher hinweg ein unglaubliches Gefühl von Gemeinschaft.

Wir möchten auch streamen! Worüber sollen wir uns vorab Gedanken (oder keine Gedanken) machen?

Nur die Predigt? Oder auch Lobpreis und Videos?

Es ist wichtig zu wissen, was eine Gemeinde stemmen kann. Hier sind eine gute Selbsteinschätzung und ehrliche Reflexion entscheidend. Für viele Gemeinden ist das Streamen der Predigt alleine schon eine Herausforderung, andere können sich vielleicht auch an das Streaming von Lobpreis (in Zeiten von Corona bitte mit wenigen MusikerInnen) oder Medien wie Fotos oder Videos (zu jeder Zeit bitte die Rechtslage beachten) wagen. Während nämlich für das Streamen eines Redners oder einer Rednerin oft schon einfache technische Setups ausreichen, muss man bei Lobpreis, Fotos oder Videos technisch schon mehr investieren. Prinzipiell aber gilt: Klein anfangen, Erfahrungen und Rückmeldungen der Gemeinde sammeln und prüfen, einen nächsten Schritt wagen und alles wiederholen. Und: Perfekte Qualität ist bei einem Live Stream nicht entscheidend. Er soll natürlich ein gewisses Mindestmaß an Qualität garantieren, aber Versprecher, Wackler, kurze Verbindungsfehler oder nicht perfekter Sound machen das Streaming-Erlebnis in gewisser Weise sogar authentischer. Anders formuliert: Bei einem vorproduzierten Video erwartet man sich per se mehr Qualität als von einem Live Stream. Insofern sind Live Streams zeitlich sogar weniger aufwendig als produzierte Videos.

YouTube oder Facebook? Oder ganz was anderes?

Früh stellt sich auch die Frage, über welche Plattform man den Stream veröffentlichen möchte. YouTube oder Facebook bieten sich aufgrund ihrer Verbreitung in Österreich grundsätzlich an. Unserer Meinung nach ist YouTube prinzipiell vorzuziehen, weil es im Kern eine Videoplattform ist und bessere Streaming-Features als Facebook - welches im Kern ein Netzwerk für Freundschaften ist - anbietet. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass man YouTube-Videos einfach teilen und ansehen kann, ohne dass man mit dem Publisher des Videos in irgendeiner Verbindung stehen muss. Auf Facebook ist das zwar nicht ausgeschlossen, aber tendenziell schwieriger möglich. Für Facebook spricht, wenn eine Kirche schon eine große Community in diesem Netzwerk aufgebaut hat. Dann sind Live Streams auf Facebook deutlich prominenter im News Feed zu sehen, da sie beispielsweise automatisch starten und kurzfristig rasch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nichts desto trotz überwiegen unserer Meinung nach die langfristigen Vorteile von YouTube. Wer sich für Streaming über YouTube entscheidet, sollte einen Brand Channel anlegen und das Streaming-Feature rechtzeitig freischalten. Eine Freischaltung dauert üblicherweise 24 Stunden. 

Und beim nächsten Mal?

Ratsam ist, dass sich das Setting - sowohl technisch als auch inhaltlich - nicht von Stream zu Stream komplett ändert. Streamt man beispielsweise nur einen Redner oder eine Rednerin, dann sollte darauf geachtet werden, dass immer die gleichen Lichtverhältnisse, Hintergründe, Abstände, Kameras und Mikrofone verwendet werden. Hier geht es darum, dass man ein qualitativ zumindest gleichbleibendes Niveau erreicht.

Was habt ihr als Evangeliumsgemeinde gemacht?

Stream 1 vom 15. März 2020: Nur mit Hausmitteln

Setup:

  • Hauptsächlich ein Redner, für kurze Zeit ein zweiter Redner
  • YouTube als Streaming-Plattform, Option “Webcam" (via Google Chrome)
  • Streaming über ein leistungsstarkes Notebook (HP EliteBook x360 1030 G4)
  • Notebook-Webcam als Kamera
  • Externes Kondensatormikrofon
  • WLAN mit 10 Mbit Upload


Am ersten Sonntag nach dem Erlass der Bundesregierung hatten wir nicht viel Zeit zum Entscheiden und Vorbereiten. Unser Setting war denkbar einfach, aber damit in jedem Fall leicht zu übernehmen. Trotz eines kleinen Verbindungsfehlers zur Mitte des Streams aufgrund des WLANs, war unsere erste Streamingerfahrung sehr gut. Vor allem weil es wirklich mit einfachen “Hausmitteln” umgesetzt wurde und das Feedback (und die Dankbarkeit) unserer Gemeinde dennoch überwältigend war. Auf Facebook haben wir ein paar Momentaufnahmen gesammelt, wie der Stream von unserer Gemeinde angesehen wurde.

Stream 2 vom 22. März 2020: Über Mischpult und mit Musik

Setup:

  • Ein Redner und eine Musikerin (Gesang und Keyboard)
  • YouTube als Streaming-Plattform, Option “Webcam" (via Google Chrome)
  • Streaming über ein leistungsstarkes Notebook (HP EliteBook x360 1030 G4)
  • Externe Webcam (Logitech C510)
  • Audio über das Mischpult unserer Gemeinde, verbunden mit einem XLR-USB-Kabel
  • LAN mit 12 Mbit Upload


Bei unserem zweiten Stream war es uns wichtig auch Lobpreis zu übertragen. Das technische Setup, vor allem das Übertragen von Audio über das Mischpult unserer Gemeinde, funktionierte problemlos. Leider aber mussten wir feststellen, dass die Audioqualität des Keyboards von YouTube stark beeinflusst wurde, sobald auch der Gesang eingesetzt hat (gut zu hören beim Beginn des 2. Liedes). Unsere Annahme ist, dass die Option “Webcam” beim YouTube-Streaming nicht für Musik ausgelegt ist und die Audioqualität verändert wird. Dennoch waren wir grundsätzlich zufrieden - auch mit der Musik. Die Qualität des Bildes und der Verbindung konnte durch die externe Webcam und die Verbindung über LAN ohnedies verbessert werden.

Stream 3 vom 29. März 2020: Über eine Streaming-Software

Geplantes Setup:

  • Gleich wie beim 2. Stream
  • YouTube als Streaming-Plattform, Option “Stream"
  • Streaming über Streaming-Software OBS

Mit Stand heute liegt dieser Stream noch in der Zukunft, allerdings haben wir direkt nach dem 2. Stream einen Test mit jenem Setting gemacht, welches wir auch in 1 Woche zum Einsatz bringen wollen. Es ist praktisch mit dem Setting des 2. Streams ident, allerdings möchten wir die Streaming-Software OBS einsetzen und auf YouTube über die Option “Stream” streamen. Unser Test hat ergeben, dass damit die Audioprobleme vom 2. Stream gelöst werden können, weil es seitens YouTube keine Veränderung der Audioqualität gibt. Wir werden über unsere Erfahrungen mit der Streaming-Software OBS in einem eigenen Blog-Post berichten.

Wir wünschen euch viel Spaß, Mut und vor allem Freude beim Selber-Ausprobieren! Schickt uns eine E-Mail oder schreibt in den Kommentaren, wie es euch dabei gegangen ist!



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